Durchsatz und WIP (work in progress)
In komplexen Arbeitssystemen ist nicht die Optimierung einzelner Aufgaben entscheidend,
sondern die Stabilität des Gesamtsystems.
Ein zentrales Prinzip hierfür ist Little’s Law.
Little’s Law
Formuliert von John D. C. Little (1961):
WIP = Throughput × Lead Time
In Worten:
Die durchschnittliche Anzahl paralleler Arbeit (Work in Progress)
ist gleich Durchsatz mal Durchlaufzeit.
Bedeutung für Wissensarbeit
Wenn die Anzahl paralleler Aufgaben steigt:
- steigen Wartezeiten
- nehmen Kontextwechsel zu
- sinkt kognitive Effizienz
Durchsatz wird nicht durch maximale Auslastung erhöht,
sondern durch Stabilisierung des Flusses.
Einzelzeit vs. Systemleistung
Zeit-Schätzung optimiert:
- einzelne Aufgaben
- isolierte Dauer
Flow-Optimierung betrachtet:
- Systemdurchsatz
- Engpässe
- Warteschlangen
- Stabilität
In komplexen Systemen ist Durchsatz der robustere Steuerungsparameter.
Wissenschaftlicher Hintergrund
- Little (1961)
- Reinertsen (2009), The Principles of Product Development Flow
- Lean- und Queueing-Theorie
Diese Forschung zeigt:
Systemleistung entsteht aus Struktur,
nicht aus maximaler Auslastung einzelner Akteure.
Konsequenz
Wenn Organisationen versuchen, Einzelzeiten präzise zu kontrollieren,
übersehen sie häufig systemische Engpässe.
Die Reduktion von WIP ist ein wirksamerer Hebel
als die Erhöhung individueller Geschwindigkeit.