Zum Hauptinhalt springen

Auslastung vs. Systemleistung

In vielen Organisationen gilt:

Hohe Auslastung = hohe Produktivität.

Diese Annahme stammt aus industriellen Produktionsmodellen.

In komplexen Wissenssystemen gilt sie nur eingeschränkt.


Warteschlangentheorie

Queueing-Theorie zeigt:

Je näher ein System an 100 % Auslastung kommt,
desto stärker steigen Wartezeiten nichtlinear.

Das bedeutet:

  • kleine Störungen erzeugen große Verzögerungen
  • Durchlaufzeiten werden instabil
  • Planungen verlieren Vorhersagekraft

Wissensarbeit und kognitive Last

In Softwareentwicklung bedeutet hohe Auslastung:

  • Kontextwechsel
  • fragmentierte Aufmerksamkeit
  • steigende Fehleranfälligkeit
  • reduzierte Kreativität

Kognitive Ressourcen sind begrenzt.

Volle Auslastung reduziert Problemlösungsfähigkeit.


Forschung und Literatur

  • Reinertsen (2009), Product Development Flow
  • Queueing Theory (Little, 1961)
  • Lean-Prinzipien

Diese Modelle zeigen:

100 % Auslastung maximiert kurzfristige Aktivität,
minimiert jedoch langfristige Systemstabilität.


Strukturelle Konsequenz

Organisationen, die auf maximale Auslastung optimieren,
erzeugen:

  • erhöhte Durchlaufzeiten
  • steigende Koordinationskosten
  • sinkende Planbarkeit

Systemleistung entsteht nicht durch Dauerbeschäftigung,
sondern durch strukturelle Stabilität.


Zentrale Beobachtung

Effizienz in komplexer Wissensarbeit bedeutet nicht:

Jeder arbeitet permanent.

Sondern:

Das System verarbeitet Arbeit stabil und mit minimaler Reibung.