Conformist Pattern
Einleitung
Das Conformist Pattern beschreibt eine asymmetrische Beziehung zwischen zwei Bounded Contexts.
Der Downstream-Kontext übernimmt bewusst:
- das Modell
- die Sprache
- die Struktur
des dominanten Upstream-Kontexts.
Conformist ist kein Designideal.
Es ist eine strategische Entscheidung unter Machtasymmetrie.
Einordnung
Conformist ist ein strategisches DDD Context-Mapping-Pattern.
Es beschreibt:
- Integrationsbeziehungen
- Machtverhältnisse
- Modellabhängigkeiten
Es gehört zur Domänen- und Organisations-Ebene, nicht zur technischen Infrastruktur.
Grundprinzip
Kernaussage:
- Upstream definiert das Modell
- Downstream passt sich an
- Keine Übersetzungsschicht
Charakteristika
1️⃣ Explizite Modellübernahme
- Begriffe werden übernommen
- Datenstrukturen werden gespiegelt
- Validierungsregeln werden akzeptiert
Der Downstream besitzt kein eigenes Modell.
2️⃣ Minimale Übersetzungslogik
- Kein Anti-Corruption Layer
- Keine semantische Transformation
- Geringe Integrationskosten
3️⃣ Hohe Abhängigkeit
- Breaking Changes wirken direkt
- Modellfehler propagieren sich
- Refactoring im Upstream zwingt Downstream
Warum wählt man Conformist?
Nicht aus Idealismus, sondern aus Pragmatismus.
Typische Gründe:
- Dominante Plattform (z. B. ERP, SaaS, Plattform-API)
- Geringer Verhandlungsspielraum
- Starker Zeitdruck
- Geringe strategische Relevanz der abhängigen Domäne
Conformist ist oft eine politische Entscheidung.
Vorteile
- Schnelle Integrationsfähigkeit
- Geringe initiale Komplexität
- Kein Pflegeaufwand für Übersetzung
- Klarheit über Verantwortlichkeiten
Risiken / Fallstricke
1️⃣ Verlust eigener Fachsprache
Die Ubiquitous Language wird extern bestimmt.
Das kann langfristig:
- Innovationsfähigkeit reduzieren
- Fachliche Klarheit verwässern
2️⃣ Strategische Abhängigkeit
- Upstream bestimmt Roadmap indirekt
- Breaking Changes wirken direkt
- Technische Schulden werden importiert
3️⃣ Exit-Hürde
Je länger Conformist besteht, desto teurer wird der spätere Ausstieg.
Wann sinnvoll?
- Time-to-Market ist wichtiger als Autonomie
- Upstream ist stabil und gut geführt
- Eigene Modellierung bringt wenig strategischen Mehrwert
- Integrationskosten müssen minimal bleiben
Wann riskant?
- Eigene Domäne ist strategisch relevant
- Upstream ändert häufig sein Modell
- Autonomie ist langfristiges Ziel
- Fachliche Differenzierung ist Wettbewerbsvorteil
Strategische Kombinationen
- Übergang zu Anti-Corruption Layer bei wachsender Reife
- Strangler Fig zur schrittweisen Entkopplung
- Contract Tests zur Absicherung
- Versionierungsstrategie im Downstream
Conformist kann ein Startpunkt sein – aber selten eine dauerhafte Idealarchitektur.
Vergleich zu anderen Context-Mapping-Patterns
| Pattern | Übersetzung | Abhängigkeit | Autonomie |
|---|---|---|---|
| Conformist | Keine | Hoch | Niedrig |
| Anti-Corruption Layer | Ja | Mittel | Hoch |
| Shared Kernel | Gemeinsames Modell | Gegenseitig | Mittel |
| Partnership | Gemeinsame Entwicklung | Gegenseitig | Hoch |
Fazit
Conformist ist:
- pragmatisch
- schnell
- politisch realistisch
Aber:
Es ist eine bewusste Entscheidung für Abhängigkeit.
Ohne Exit-Strategie wird Conformist langfristig zur strukturellen Bremse.